30. Dezember 2020

Was bei einer Erkältung im Körper passiert

Was bei einer Erkältung im Körper passiert

Meist arbeitet das Immunsystem so gut, dass man Infekte kaum bemerkt.

Manchmal aber gewinnen Erkältungsviren die Oberhand – zum Glück bekämpft die Immunabwehr die Erreger mit verschiedensten Mitteln.

Abwehrzellen in der Schleimhaut

Schaffen es Erreger, irgendwo in die Schleimhaut einzudringen, so schickt das Immunsystem viele Abwehrzellen dorthin. Es kommt zur Entzündung, weil die Abwehrzellen Entzündungsbotenstoffe aussenden und versuchen, die Erreger unschädlich zu machen. Das führt dazu, dass die Schleimhaut anschwillt – und man schlechter durch die Nase atmen kann.
 

Schutzbarriere Schleim

In der obersten Schicht der Schleimhaut in den Atemwegen befinden sich Zellen, die bei gesunden Menschen pro Tag bereits über einen Liter Schleim produzieren. Bei Infektionen können sie die Schleimproduktion erheblich steigern. Der Schleim dient als Schutzbarriere, an ihm bleiben Staubteilchen und Krankheitserreger hängen. Überdies enthält er (genau wie Tränenflüssigkeit, Speichel und Muttermilch) Lysozym. Dieses Enzym greift Viren und Bakterien chemisch an. Der grösste Anteil des Schleims wird geschluckt und gelangt so in den Magen, wo die Magensäure die Erreger zerstört. Die Farbe des Schleims verrät übrigens nicht, ob die Erkältung durch Bakterien oder Viren verursacht wird.
 

Transportmittel Flimmerhärchen

Von der Nase bis in die Lunge kleiden winzige, feine Flimmerhärchen die Atemwege aus. Sie sind nur fünf bis zehn Mikrometer lang. Ähnlich wie eine La-Ola- Welle im Fussballstadion bewegen sich diese Flimmerhärchen ständig koordiniert. Sie befördern so Schleim samt Schmutz, Bakterien und Viren Richtung Rachen und Nasenausgang, wo er geschluckt oder ausgeschneuzt wird. In der Nase transportieren die Flimmerhärchen diese Fracht mit einer Geschwindigkeit von rund vier Zentimetern pro Stunde voran, in den Lungen mit über sieben Zentimetern pro Stunde. Manche Bakteriengifte und Virusinfektionen sowie das Rauchen lähmen die zarten Flimmerhärchen. Die Folge: In Nasennebenhöhlen und Lungen sammelt sich der Schleim, und die Krankheitserreger können sich ausbreiten.
 

Husten - Lästig, aber sinnvoll 

Husten ist lästig, dient aber der Reinigung der Atemwege. Empfindliche Nerven registrieren, wenn etwas hineingerät, das die Luftwege blockieren könnte, etwa, wenn man sich verschluckt oder wenn sich zu viel Schleim ansammelt. Dann kommt es zum reflexartigen Verschluss des Kehldeckels, sobald mindestens ein Liter Luft in der Lunge ist. Die Atemmuskeln spannen sich an – und der Kehldeckel öffnet sich so plötzlich, dass die Luft explosionsartig ausgestossen wird. Dabei erreicht die Luft in der Luftröhre eine Geschwindigkeit von 360 bis 1000 Stundenkilometern. Für den Hustenden ist dies sinnvoll, um Erreger, Schleim und Fremdkörper loszuwerden. Für andere sind die feinen Tröpfchen – die dabei mit bis zu 160 Stundenkilometern maximal zehn Meter weit herausfliegen – ansteckend, wenn sie Erreger enthalten. Husten ist besonders lästig, wenn die von der Infektion überreizten Nerven zu ständigem Reizhusten führen.
 

Spezialisten Abwehrzellen

Die verschiedenen Arten von weissen Blutkörperchen sind auf unterschiedliche Aufgaben spezialisiert: Fresszellen (Makrophagen) etwa verleiben sich Eindringlinge oder Fremdstoffe ein und machen sie unschädlich. Killerzellen eliminieren Körperzellen, die mit Viren infiziert sind. Sogenannte B-Lymphozyten produzieren Antikörper, die wie ein Schlüssel ins Schloss exakt auf bestimmte Erreger oder Gifte passen und diese abfangen. Die Abwehrzellen produzieren auch verschiedene Botenstoffe. Diese verursachen zum einen Fieber, um den Erregern «einzuheizen» und sie abzutöten. Zum anderen dienen sie der Verständigung der Zellen untereinander oder dazu, Verstärkung anzufordern. Viele der Immunzellen befinden sich in den Lymphknoten, etwa im Rachen oder seitlich am Hals. Bei Infekten können diese Lymphknoten anschwellen und beispielsweise zu einer Halsangina führen. Manche der «siegreichen» Abwehrzellen verwandeln sich später in Gedächtniszellen, die bei einem erneuten Kontakt mit denselben Erregern sofort wissen, was zu tun ist. Mit jedem Infekt lernt das Immunsystem also dazu.
 

Hausmittel bei Erkältung

#1 Luft feucht halten. Denn trockene Luft bewirkt, dass weniger Schleim gebildet wird.

#2 Dreimal täglich 15 Sekunden lang gurgeln. Dadurch wird ein Teil der Erreger herausgespült.

#3 Essigsocken helfen, das Fieber zu senken, sollten aber nur bei warmen Füssen angewendet werden. Fieber bis 38 Grad muss im Allgemeinen nicht gesenkt werden.

#4 Halswickel mit Quark können schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken.

#5 Ein Löffel Honig und warme Brustwickel können Husten lindern. Wichtig: Kinder unter einem Jahr dürfen noch keinen Honig bekommen!

#6 Nasenspülungen mit Kochsalzlösung können Schnupfen lindern und seine Dauer verkürzen.

#7 Häufiges Händewaschen beugt weiteren Erkrankungen in der Familie vor.

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